Das große Zittern

Januar 2017 | Wirtschaftswoche | Risikomanagement

Das große Zittern

Niedrige Zinsen, volatile Börsen, politische Unsicherheiten: Anleger müssen derzeit Nerven aus Stahl haben. Alternativen bieten bestimmte Fonds oder Finanzdienstleister.

Illustration: Dominika Kowalska
J.W. Heidtmann / Redaktion

Selbst Börsenprofis reiben sich ungläubig die Augen, wenn sie nach Amerika blicken. Seit die Präsidentschaftswahl entschieden ist, wird fleißig in die US-Wirtschaft investiert. Der Dow Jones Index eilt von einem Rekord zum anderen. Dabei hatten die meisten Ökonomen zuvor prognostiziert, dass ein Sieg von Donald Trump Gift für die Märkte sein würde. Weit gefehlt.  

In Deutschland geschah zunächst das Gegenteil. Der Dax verlor. Der Chefvolkswirt der KfW, Jörg Zeuner, erklärte in der ARD, die wirtschaftspolitischen Pläne der künftigen US-Administration seien „vage und in der Summe wenig konsistent“. Deutsche Unternehmer behielten angesichts des Wahlerfolgs von Trump einen „kühlen Kopf“. Was noch komme, ob Inflation, Wachstum oder Leistungsbilanzdefizit der USA steigen würden, sei völlig offen.

Es ist kein Wunder, dass sich viele Anleger vor dem Aktienmarkt fürchten. Mit seiner Volatilität ist er nichts für schwache Nerven. 55 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Deutschen Aktieninstituts DAI und der Börse Stuttgart würden von einem fiktiven Geldbetrag in Höhe von 10.000 Euro und bei einem Anlagehorizont von 25 Jahren keinen Cent in Aktien oder Aktienfonds investieren.

Das Institut bemängelt dies als „folgenschwere Fehleinschätzungen zur Aktienanlage“, sprich: Die Anleger bringen sich um Renditen. Ein Beispiel: Wer 50.000 Euro auf seinem Tagesgeldkonto parkt, erhält darauf vielleicht ein halbes Prozent Zinsen, oft sogar viel weniger. Und das wird von der Inflation aufgefressen. Das Geld auf Giro- und Tagesgeldkonten verliert also quasi täglich an Wert.

Dagegen ist die Rendite von Aktienfonds laut allen Beispielrechnungen über einen langen Zeitraum nicht zu schlagen. Daher sind Fonds oder Fondssparpläne eine der interessantesten Investitionsmöglichkeiten für Langfristsparer. Mit dem Tagesgeschäft müssen sich Fondssparer nicht herumschlagen, weil der Fonds von Experten gemanagt wird. Dennoch müssen auch sie mit kurzfristigen Einbrüchen rechnen. Der Anlagehorizont sollte daher nicht aufs Jahr genau festgelegt werden. Zudem raten Experten Fondsparern, ihr Depot nicht täglich anzuschauen.

Doch welche Fonds bieten die besten Renditen? Die Auswahl ist riesig. Soll man man nach Regionen oder nach Branchen investieren? Wichtig sind die ökonomischen Rahmenbedingungen. Hier bietet Europa im weltweiten Vergleich eine sehr gute Ausgangsbasis. Deutsche und europäische Unternehmen genießen international einen glänzenden Ruf. Sie blicken optimistisch in die Zukunft. Und sie sind innovativ.

Doch welchen Stellenwert sollte man der Höhe der Ausgabeaufschläge oder Verwaltungsgebühren zubilligen? Aktiv gemanagte Fonds sind relativ teuer und dabei oftmals den preiswerten Indexfonds nicht überlegen. Eine relativ neue Möglichkeit ist die Geldanlage über robotergestützte Finanzdienstleister. Ausgefeilte Algorithmen errechnen auf Basis großer Datenmengen Szenarien, bei denen möglichst hohe Erträge möglichst geringen Risiken gegenüber stehen.