Das Risiko mit der Rechnung

September 2019 | Wirtschaftswoche | Risikomanagement

Das Risiko mit der Rechnung

Zahlungsausfälle sind ein ernstzunehmendes Problem für viele Unternehmen. Wie können sie sich schützen?

Illustration: Maria Corbi
Axel Novak / Redaktion

Die Leistung ist erbracht, das Produkt sicher angekommen und der Service funktioniert. Nun liegt dem Kunden die Rechnung vor – und nichts geschieht. Solch ein Zahlungsausfall kann kleinere Unternehmen oder Selbstständige in ihrer Existenz bedrohen. Die Zahl der Ausfälle und Zahlungsverzögerungen ist hoch: 60,4 Prozent der Unternehmen in Deutschland gaben im jüngsten Zahlungsmoralbarometer des Kreditversicherers Atradius an, dass überfällige Rechnungen im Firmengeschäft in den vergangenen zwölf Monaten ihr Geschäft beeinträchtigt hätten.


Was die privaten Verbraucher betrifft, haben viele Unternehmen die Erfahrung gemacht, dass sie fällige Rechnungen absichtlich erst viel später als vereinbart oder auch gar nicht bezahlten. Ein Grund dafür ist paradoxerweise, dass sie mehr Geld zur Verfügung haben, hat der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) festgestellt. Unkontrolliertes Konsumverhalten nennt sich das – und ist mittlerweile weiter verbreitet als die klassische Überschuldung.


Anders sieht es wiederum bei säumigen Unternehmen aus: Hier sind häufig fehlende Finanzmittel ein Grund für Zahlungsverzögerungen und -ausfälle. Instrumente wie Akkreditive oder Bestellerkredite können den Lieferanten helfen, ihr Risiko zu minimieren. Allerdings setzen sie ein gehöriges Maß an Kooperation voraus, das nicht immer gegeben ist.


Es gibt noch andere Möglichkeiten, sich schon im Vorfeld gegen Ausfälle zu schützen. So ist schon viel gewonnen, wenn Unternehmen im Vorfeld Informationen über die Zahlungsfähigkeit der Kunden einholen. Das kann durch die Recherche über persönliche Netzwerke, das Internet oder Berufsverbände geschehen. Oder durch Auskunfteien, die die Bonität des Kunden in einem bestimmten Land bewerten.


Spezielle IT-Tools sind ebenfalls eine große Unterstützung im Forderungsmanagement. Weil manuelle Bearbeitung häufig zu hohen Außenständen und langen Mahnprozessen führt, die wiederum per Hand bearbeitet werden müssen, helfen automatisierte Abläufe bei standardisierten und in das System integrierten Prozessen dabei, Außenstände und Forderungsausfälle zu reduzieren.


Im Zweifel kann sich auch eine Warenkreditversicherung lohnen, wenn die Ausfallquote hoch und der Beitrag klein ist. Jedoch ist es in der Praxis nicht einfach, eine solche Versicherung zu bezahlbaren Bedingungen abschließen zu können.


Das klassische Factoring wiederum verbindet das Debitorenmanagement mit einem sinkenden Ausfallrisiko und gleichzeitiger Liquidität. Factoring kann für Unternehmen ein Vorteil sein, kostet aber unter Umständen viel Geld, zudem fallen für die bereitgestellten Summen Zinsen an.


Zu guter Letzt gibt es auch staatliche Hilfe: Dazu gehören Kreditversicherungen oder Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistungen. Sie sind aber erst ab einer bestimmten Unternehmensgröße interessant. Bei einem drohenden Zahlungsausfall können Inkasso-Unternehmen helfen: 904 gab es davon im Jahr 2017 in Deutschland. Sie kennen sich in den oft langwierigen Mahnverfahren aus und schaffen es laut BDIU, rund die Hälfte der ausstehenden Beträge einzuholen. ■